Eine Einführung

Menschenwürdig leben. Kindern Zukunft geben – ist das
Leitwort der MISEREOR-Fastenaktion 2012, und ihm folgt
auch das Fastenbrevier. Sein Titel ist eine Abwandlung
des psychotherapeutischen Klassikers von Sheldon B.
Kopp, Triffst du Buddha unterwegs. Psychotherapie und
Selbsterfahrung
1. Während Sheldon B. Kopp auf den alten
Zen-Spruch „Triffst Du Buddha unterwegs, so töte
ihn“ und dessen Weisung abhebt, sich von Autoritäten
zu lösen und Altes hinter sich zu lassen, um neue Wege
der Selbsterkenntnis einzuschlagen, soll mit dem Titel
des Fastenbreviers etwas Anderes ausgesagt werden: Wir begegnen Christus und kommen zu uns selbst nur „unterwegs“, d.h. in der Bewegung der Nächstenliebe. Die
in ihr sich vollziehende „absolute Respektierung des anderen Menschen in seiner je einmaligen Würde“ bedeutet „nicht bloß einen Durchbruch zum Nächsten, sondern auch schon, wenn auch noch unausgesprochen und unreflektiert, einen Durchbruch zu Gott“
2.

Wie im Vorjahr rückt die Fastenaktion die schwierigen
Lebensbedingungen der Menschen in den Megacities der
Welt in den Blick und möchte dazu beitragen, dass Menschen überall auf der Erde jetzt und künftig menschenwürdig leben können. Dabei hebt sie 2012 ganz besonders auf die Kinder und Jugendlichen ab, die, weil sie jung sind und weil viele von ihnen unter schwierigsten
Umständen zurechtkommen müssen, von vornherein in
besonderer Weise auf Solidarität angewiesen sind: im
unmittelbaren Kontakt des Erziehungshandelns ebenso
wie im indirekten Einsatz für Freiheit, Gerechtigkeit und
gleichem Zugang für nachhaltige Entwicklung weltweit.

Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben
hingibt für seine Freunde. Joh 15, 13: So mögen wir hier
dankbar zur Kenntnis nehmen und uns verneigen besonders vor den Menschen, die - im Nahen und im Fernen Osten, in Schwarzafrika, in Lateinamerika oder wo auch immer - mit nicht weniger als dem Einsatz ihres ganzen Lebens den Kindern von heute und morgen Zukunft geben.

1 Fischer (Tb.), Frankfurt 2011
2 Karl Rahner im Gespräch, Schriften zur Theologie, Freiburg,
Band 2, 44f.

   
  Zukunft durch Beistand

Es gibt keine verlässlichen Angaben über die Zahl der
Kinder, die jeden Tag auf der Straße für ihr Überleben arbeiten statt zur Schule zu gehen; die zum Teil unter Brücken hausen, sich zu Banden zusammenschließen und ihren Hunger mit Klebstoff oder Marihuana betäuben. Geht man davon aus, dass vier von zehn Menschen in einem städtischen Armenviertel jünger als 15 Jahre sind, dann leben 400 Millionen Kinder weltweit in sogenannten
Slums – an Bahngleisen und Abwasserkanälen, auf Industriebrachen und am Rand von Müllhalden. „Amen, ich
sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder
getan habt, das habt ihr mir getan.“ Mt 25,40 Anhand
ausgesuchter Projekte lenkt das Fastenbrevier den Blick
auf solche gleichermaßen skandalöse wie erbarmungswürdige Lebensumstände von Kindern in Armut und zeigt Möglichkeiten auf, wie wir einigen von ihnen unmittelbar beistehen können.
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